Zeit zum Umdenken!

Warum die Führungsetagen erfolgreicher Unternehmen einen Kurswechsel vollziehen müssen

Die Generationen Y und Z stellen mal wieder alles auf den Kopf. Geld alleine reicht ihnen nicht mehr zum glücklich sein. Sie wollen lieber Homeoffice machen statt als Abteilungsleiter werden. Die Work-Life-Balance und Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind laut der aktuellen Shell Jugendstudie für die jungen Arbeitnehmer heute so wichtig wie nie zuvor. Unternehmen und WIR-MARKEN stellt das vor neue Herausforderungen. Zum einen lassen sich die jungen Arbeitnehmer nicht mehr alleine mit dem Firmenwagen mit Vollausstattung langfristig an ein Unternehmen binden.

Zum anderen werden Digitalisierung und technische Entwicklungen im Umfeld der Industrie 4.0 die gesamte Arbeitswelt fast bis zur Unkenntlichkeit verändern. In den USA hat man bereits vor zehn Jahren festgestellt, dass die Zahl der Wissensarbeiter die Anzahl der Arbeitnehmer, die nur Routineaufgaben erledigen, übertroffen hat. Dabei ist es egal, ob es sich um den kleinen Bäcker um die Ecke oder ein global agierendes Finanzunternehmen handelt – an der Digitalisierung führt heute kaum mehr ein Weg vorbei. Bewältigen lassen sich diese Herausforderungen in Zukunft wohl nur mit jungen, motivierten Angestellten, die auch die nötige Innovationskraft liefern, damit Unternehmen langfristig auf einem immer komplexeren Weltmarkt gegen die Konkurrenz bestehen können.

Und um in der neuen Arbeitswelt 4.0 erfolgreich zu sein, ist es für das Management von WIR-MARKEN daher überaus wichtig, sich die besten Köpfe zu sichern und ein WIR-Gefühl im Unternehmen zu schaffen. Eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Gallup zeigt, dass bislang nur jeder siebte Arbeitnehmer eine enge Bindung zu seinem Arbeitgeber aufbaut. Bitter für beide Seiten. Doch wie werden Konzerne zu attraktiven WIR-MARKEN auf dem Arbeitsmarkt?

Führungskultur im Umbruch

Das Management einer erfolgreichen WIR-MARKE muss einem Arbeitnehmer klarmachen, welchen Beitrag er zum Gesamterfolg leistet. Führungskräfte und Unternehmen müssen vor allem lernen, ihre Mitarbeiter und ihre Kunden ernst zu nehmen und zu respektieren. Sie als erwachsene, leistungsfähige und leistungsbereite Menschen wahrnehmen. In den letzten Jahrzehnten ist eine fatale Misstrauenskultur entstanden – unter dem Deckmantel der Produktivität und der Anforderungen von Globalisierung und Wachstum. Daraus resultiert die Denke, man müsse Mitarbeiter streng kontrollieren und antreiben, um Leistung aus ihnen herauszupressen. Das mag für einfache industrielle Produktionsverfahren vielleicht noch richtig gewesen sein. Aber bei den heutigen Wissensarbeits-Prozessen ist das grandios falsch. Sie sind dafür zu komplex und zu sehr miteinander vernetzt.
Der Mythos vom einzelnen herausragenden und vorbildhaften Manager an der Spitze seiner Arbeiter zerbröckelt zusehends. An die Stelle eines allwissenden Unternehmenschefs treten bunt gemischte und gut vernetzte Manager-Teams. Die Hierarchie- und Anweisungskultur wird sich aus großen Teilen der Wirtschaft verabschieden, prophezeit auch Zukunftsforscher Matthias Horx. Die Zukunft gehört agilen offenen Netzwerken.

Die Digital Natives sind bereits vernetzt aufgewachsen, sie haben es verinnerlicht, dass dank sozialer Netzwerke und Instant Messaging Diensten Kommunikation zu jeder Zeit, an jedem Ort und auch außerhalb fester Strukturen funktioniert. Das beeinflusst auch die Kommunikation innerhalb von Unternehmen. Wo früher noch Briefe tagelang unterwegs waren, geht es heute in Echtzeitkommunikation. Früher definierten Hierarchien, wer mit wem kommuniziert. Das brachte Ordnung und Effizienz.
Aber heute kann auch in Weltkonzernen praktisch jeder mit jedem in Kontakt treten. Und das hierarchiefreie „Du“ dominiert inzwischen auch in deutschen Unternehmen, Nachrichten schrumpfen oft auf Tweet-Länge zusammen. Der Grund: In der vernetzten Welt muss der notwendige Kontext nicht durch Form gehalten werden, sondern er wird über die Vernetzung der Inhalte transportiert. Mittlerweile wechseln die Medien selbst während einer Konversation fließend.
Network-Leadership statt Misstrauenskultur

Klassisches Denken mit starren Kommunikationswegen, Hierarchien sowie Anwesenheits- und Anweisungskulturen müssten daher in einen lebendigen Netzwerkorganismus überführt werden, forderte beispielsweise Premal A. Desai, Head of Corporate Development der ThyssenKrupp AG, schon 2011 in der Studie „Unternehmensführung 2030“, die die Personalberatung Signium International mit dem Zukunftsinstitut Matthias Horx erstellt hat.
Das sogenannte Network-Leadership gilt dabei in der Forschung mit als eines der aussichtsreichsten Führungsmodelle der Zukunft: In Zeiten zunehmender Information, Komplexität und Vernetzung wird Networking und Projektarbeit für Unternehmen vor dem Hintergrund der Trendwende zur Projektwirtschaft zum lebenswichtigen Instrument. Projektarbeit ist Triebfeder für Innovationen in der Wirtschaft. Mit dieser Organisationsform können Unternehmen gut auf die immer schneller wechselnden Anforderungen des Marktes reagieren. Netzwerke und Teams entstehen dabei je nach Anforderung. Mit klassischen hierarchischen Strukturen bremsen sich Unternehmen jedoch selbst aus. Geführt wird in Zukunft abhängig von der Aufgabe und dem Ziel. Die erfolgreichen Projektleiter von morgen sind dabei die gut vernetzten Millennials. Führungsverantwortung ist für sie nichts, was für die jungen Generationen unweigerlich mit einer Person verbunden ist. Führungseignung wird mehr an Taten als an Titel geknüpft. In der sich permanent weiterentwickelnden neuen Arbeitswelt 4.0 muss sich eben auch die Chefetage jeden Tag aufs Neue fachlich und inhaltlich beweisen.

Fazit: Die Führung einer erfolgreichen WIR-Marke begegnet den eigenen Mitarbeitern auf Augenhöhe

▪ Alte Anreizsysteme mit hohen Gehältern und Statussymbolen kommen vor allem bei den jungen Generationen immer schlechter an. Eine erfolgreiche WIR-MARKE lässt ihren Mitarbeitern Freiraum und schenkt Vertrauen. Der offene Umgang mit Stärken und Schwächen bringt Glaubwürdigkeit und empathische Mitarbeiterführung baut nachhaltige Beziehungen auf. Erfolgreiche neue Konzepte setzen auf andere Motivationssysteme wie Gamification oder Freizeit zur Belohnung.
▪ Getrieben von technologischen Entwicklungen wie WhatsApp oder Slack verändert sich zunehmen auch die Art und Weise, wie wir im Beruf miteinander kommunizieren. starre Hierarchien wirken besonders bei jungen Arbeitnehmern oft demotivierend und bremsen die Innovationskraft.
▪ WIR-MARKEN müssen sich mit neuen Führungskonzepten an die veränderten Umstände anpassen, wenn sie auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben möchten.

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